Sonderausstellung eröffnet
Rund 100 Gäste folgten der Einladung des Deutschen Automatenmuseums zur Eröffnung der Sonderausstellung ASTrein AUTOMATEN aus HOLZ. Bereits zum dritten Mal beteiligt sich die Sammlung Gauselmann – Deutsches Automatenmuseum im Rahmen der Museumsinitiative von Ostwestfalen-Lippe aktiv an regionalen Kulturthemen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Holz.
Im Rahmen der Sonderausstellung, die voraussichtlich die letzte in den Räumlichkeiten der Espelkamper Unternehmenszentrale sein wird, bevor das Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen sein künftiges Domizil bezieht, werden 70 internationale Exponate aus unterschiedlichen Holzarten und kulturhistorischen Epochen präsentiert.
Armin Gauselmann begrüßte die Gäste und verwies dabei auf die Anfänge der heutigen Gauselmann Gruppe, die auf das nebenberufliche Engagement seines Vaters, der 1957 mit dem Erwerb amerikanischer Jukeboxen, die er als Gebrauchtgeräte erwarb und mit einem „neuen Kleid“ – ein auf den deutschen Markt abgestimmten Holzgehäuse – ausstattete, zurückzuführen sind.
Daneben sprachen auch Bürgermeister Heinrich Vieker sowie Ralf Buchholz, Dozent an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, einleitende Worte zu der Sonderausstellung.
Nach einem Grußwort von Bürgermeister Heinrich Vieker, in dem er vor allem die „Strahlkraft“ würdigte, mit der die Sammlung Gauselmann die Stadt Espelkamp immer wieder auch über die Grenzen hinaus bekannt mache, widmete sich Gastredner Ralf Buchholz dem Thema Restauration aus kulturhistorischer Sicht. Dass es dabei nicht einfach nur um die Reparatur von alten Sachen gehe oder die chemische Bekämpfung von Holzwürmern machte er anhand mehrerer Beispiele und Thesen deutlich. „Ein Exponat“, so Diplom-Restaurator Buchholz, werde erst durch authentische und unverwechselbare Gebrauchsspuren zu einem kulturhistorischen Zeitzeugen.
Abschließend ergriff Museumsleiterin Monika Unterkötter das Wort und führte das Publikum in die Konzeption der Sonderausstellung ASTrein AUTOMATEN aus HOLZ ein.
Spielautomatengehäuse, die für eine Aufstellung in Räumen konzipiert waren, wurden von 1880 bis 1945 wie ganz normale Möbelstücke auch aus Holz gefertigt. Während die Franzosen kleine Wandautomaten bevorzugten, die sie sehr ästhetisch mit Verzierungen und Schmuckapplikationen gestalteten, liebten es die Engländer vor allem skurril. So genannte ‚working models‘, Bewegungsautomaten sowohl mit Spuk- und Gruselszenen als auch mit Sportmotiven, kamen ebenso zum Einsatz wie lebende Ameisenkolonien, die als Nudisten-Attraktion vermarktet wurden. Allesamt zeugen sie von der eigenwilligen Liebe der Engländer für Kuriositäten. In den USA erschienen nicht nur die frühen, schrankähnlichen Slotmachines mit ihren auffälligen Metallverzierungen im Holzgewand, sondern später auch die ersten, noch relativ schlicht gehaltenen Wurlitzer-Jukeboxen. Aufgrund seiner guten akustischen Eigenschaften wurde Holz zur Verstärkung des Klangvolumens besonders im deutschen Musikinstrumentenbau eingesetzt. Das betraf den Bau kleiner Grammophone ebenso wie große Orchestrien, die zur Unterhaltung des Publikums in vornehmen Hotels und Restaurants zu finden waren. Hier kamen kunsthandwerklich interessante Designs und Formen – entsprechend dem Geldbeutel des Auftraggebers – zur Geltung.
Die Reise führt vor der Kulisse eines deutschen Automaten-Waldes nach Frankreich und England bis in die USA, nicht ohne abschließend noch einen Blick in eine Restaurationswerkstatt, wie sie in ähnlicher Form auch vom Deutschen Automatenmuseum betrieben wird, zu werfen.
Das verbindende Element zwischen Holz und menschlichem Spieltrieb liegt in der jeweiligen Natürlichkeit. Holz zählt kulturhistorisch zu den ältesten natürlichen Rohstoffen auf der Erde und ist nach wie vor ein bedeutendes, nachwachsendes Pflanzenprodukt, das darüber hinaus als wertvoller Sauerstoffspender, Wasser- und Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für Tiere und Pflanzen gilt. Spielen gehört zur Natur des Menschen und drückt sein Streben nach Geselligkeit und Gemeinschaft aus.
Die Sonderausstellung ASTrein AUTOMATEN aus HOLZ läuft bis zum 20. Juli 2012. Die Öffnungszeiten des Museum sind Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr, ausgenommen an Feiertagen. Besuche und Führungen sind nur nach Voranmeldung möglich. Telefon: 05772-49484.
Im Zusammenhang mit dem Nationalen Tag der Museen veranstaltet das Deutsche Automatenmuseum am Sonntag, 20. Mai 2012 in der Zeit von 11 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür. Auch hierzu sind Anmeldungen erbeten.


